Vision

Das Transformatorenwerk Leipzig ist ein zurzeit noch jeweils temporär etablierter, aber in Zukunft auch fester Ort des kreativen Denkens, Wirkens und (Ver-)Wandelns: von individuellen und kollektiven Routinen, Glaubenssätzen und Selbstbildern sowie von Strukturen des Zusammenlebens und -arbeitens. Das Transformatorenwerk kreiert Räume für Begegnung und Verständigung zwischen Menschen, für das Zuhören, den Dialog und den Diskurs, für die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Realitäten sowie die gemeinsame Entwicklung von Gedanken und Ideen – für die persönliche wie gesellschaftliche Zukunftsgestaltung.

Das Transformatorenwerk Leipzig ist ein Ort des Probierens, der spielerischen Auseinandersetzung mit sich selbst und mit anderen, mit eigenen und fremden Vorstellungen, ein Ort, an dem man angeregt wird, Lebenswelten aktiv zu gestalten und gesellschaftliche Entwicklungen anzustoßen.

Wir – das Ensemble des Transformatorenwerkes – sehen diesen besonderen Ort in der Tradition der vielfältigen Versuche großer Philosoph*innen, Mediziner*innen, Wissenschaftler*innen und Künstler*innen, Räume für das gemeinsame Denken und die Begegnung zu bieten: als zeitgemäße Variante von Platons Akademie, Epikurs Garten oder Aristoteles’ Wandelhalle für die drängenden Fragen des 21. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Kooperationspartnern aus Forschung, Kultur, Politik und Zivilgesellschaft ermöglichen wir unseren Gästen disziplinenübergreifend, Denk- und Handlungsimpulse für Veränderung und Wandel zu finden, begleiten sie im Prozess, unterstützen und befähigen sie, Transformation zu gestalten.

Mit zukunftsorientierten Arbeitsweisen initiieren und betreuen wir kleine und große Projekte für und von Einzelpersonen, Paaren, Gruppen sowie Organisationen und Unternehmen: Mit öffentlichen Events und individuellen Angeboten bringen wir Menschen zueinander und eröffnen Spiel- und Denkräume, die zum Ausprobieren und Erschaffen ebenso einladen wie zum sensibleren gegenseitigen Wahrnehmen, zum Streiten um die beste Lösung, zum Klären kleinerer wie größerer Probleme und Herausforderungen – oder kurz: zum Austausch über das gute, gelingende Leben.

Gründungsmythos

Wie das Transformatorenwerk Leipzig gegründet wurde…

… und wir erinnern uns:

Es war Sommer. Wir begegneten uns das erste Mal bei einem philosophischen Salonabend in einer alten Villa im Norden der Stadt. Jirko war der Veranstalter und hatte zum Salongespräch über „Erfolg“ geladen. „Kein besonders angesagter Begriff in der Philosophie“, eröffnete er, „aber umso mehr ein Zauberwort in der Gesellschaft, gerade heute.“ Und wir: fingen an darüber zu sprechen, was für jeden von uns Erfolg ist oder wäre und wieviel Erfolg man braucht im Leben oder ob Erfolg überbewertet wird.

Jemand sagte: „Immer dieses Gerede von Erfolg und Ziele erreichen. Also jetzt mal ehrlich: Was im Leben hat man wirklich in der Hand und kann es beeinflussen und was nicht!? Und sollte man es überhaupt?“ Und ein anderer begann laut darüber nachzudenken, wie die alten Griechen das mit Zielen, Zwecken, Folgen und Erfolgen im Leben und der Philosophie gehalten hatten. Und darüber, was heute unsere eigenen bewussten und unbewussten Vorstellungen und Prägungen in Bezug auf das „Erfolgs“-Ding sind und wo sie herkommen und ob sie sich verändern lassen. Und zum Glück wusste niemand im Raum schon gleich eine Antwort auf alles. Und wir tasteten uns also gemeinsam sprechend und vor allem einander intensiv zuhörend durch das Gewebe unserer Worte und unserer persönlichen Erfahrungen mit Erfolg und Scheitern in unseren unterschiedlichen Leben und Lebensabschnitten: in der Schule, in Seminaren an Universitäten, Managementabteilungen von Krankenhäusern, auf Segelschulschiffen, Theaterbühnen, Bauernhöfen – und auch in unseren Familien- und Liebesbeziehungen.

Und irgendwann sagte einer: „Ich frage mich, warum ist denn jeder einzelne von uns heute Abend hier? Was hatte uns hier hingebracht? Was erhofften wir uns von diesem Abend? Erfolg? Wäre das das richtige Wort?“ „Und wann wäre dieses Gespräch hier denn ein Erfolg?“ fragte ein anderer. Und Erfolg hätte für ihn in allzu vielen Kontexten etwas unangenehm Strategisches und deswegen Zerstörerisches und würde das, was wir hier gerade in diesem Moment hier miteinander tun und worauf es uns dabei ankommt, irgendwie nicht richtig beschreiben… – Und wenn es im Miteinander-Sprechen stattdessen vielmehr um so etwas wie Gelingen ginge? – fragte ein Dritter. Und ob Gespräche und Kommunikation überhaupt mit dem Wort Gelingen nicht eigentlich viel besser beschrieben wären als mit dem Wort Erfolg oder erfolgreich? – Und wieder ein anderer sagte: „Ja, Gelingen trifft es wirklich viel besser, was für mich hier gerade in diesem Augenblick zwischen uns geschieht.

Es ist viel offener und lässt viel mehr Raum, um das elektrisierende inspirierende Moment zu spüren, das uns alle jetzt gerade in diesem Raum vereint – nennt es Resonanz oder Atmosphäre. Und es hat für mich auch etwas damit zu tun, dass wir gemeinsam und dabei zugleich jeder für sich etwas tiefer verstehen wollen in diesem gelingenden Gespräch.“ – „Ja, das spüre ich auch, jeder einzelne von uns ist mit allen Nervenfasern seines Körpers dabei und will hier gerade etwas für sich selbst und für sein eigenes Leben besser verstehen und ist dabei auch bereit, sich innerlich zu wandeln, nicht mehr der Gleiche zu bleiben irgendwie – das ist für mich das Kennzeichen eines ‚erfolgreichen‘ – ich meine gelingenden – gemeinsamen Gesprächs.“

Wir waren dann alle eine kleine Weile lang still in diesem Moment.

Um der magischen Gelingens- und Verwandlungs-Elektrik nachzuspüren, die unser Gespräch vielleicht wirklich gerade prägte.
Am Ende fanden wir uns draußen zu viert auf dem Balkon der Villa wieder in der untergehenden Sonne und tranken Wein und redeten noch zwei, drei, fünf Stunden weiter.

Und die Grillen zirpten.

Und die Elektrik zwischen uns hielt an. Und wir stellten fest, dass jeder von uns gerade an einer Stelle in seinem Leben war, wo er diese elektrische verwandelnde Kraft der Worte, und des gemeinsamen Miteinander-Denkens spürte und noch intensiver spüren wollte in seinem Leben. Und dies alles erzeugte eine hochgradige produktive spannungsgeladene Atmosphäre. Zwei von uns waren sogar neu in der Stadt, und wir tauschten unsere Nummern aus und verabredeten uns zu Folge-Gesprächen in wechselnden Konstellationen zu zweit, zu dritt, zu viert in Cafés und auf Hinterhöfen in den verschiedenen Himmelsrichtungen der Stadt. Und wir merkten, wie wir uns wirklich anhaltend inspirierten und verwandelten dabei und jeder von uns für den anderen zu einer Art „Transformator“ wurde.

Und acht Wochen später gründeten wir das Transformatorenwerk Leipzig.

Die Transformation geschah. Einfach so.

Ausgang offen.