Festival

Leipzig denkt: Alarm und Utopie

Denk-Gesprächs-Kunst-Festival

vom 5. bis 8. Oktober 2022 in Leipzig

Für Oktober 2022 plant das Transformatorenwerk Leipzig zusammen mit dem Expedition Philosophie e.V. und der Internationalen Gesellschaft für Philosophische Praxis (IGPP) ein spartenübergreifendes interdisziplinäres Festival: „Leipzig denkt: Alarm und Utopie“. In dessen Zentrum steht das gemeinsame offene, dialogische und künstlerisch-performativ vermittelte Nachdenken über zentrale gesellschaftliche Fragen: über unsere Ich-, Wir- und Weltverhältnisse zwischen Alarm und Utopie.

Corona-Krise, Klima-Krise, Krise der Demokratie, Digitalisierung – wir leben in Zeiten gravierender gesellschaftlicher Umbrüche. Unsere Gesellschaft muss sich über sich selbst verständigen, über das, was auf dem Spiel steht – in grundsätzlicherer und tieferer Weise als dies vielleicht in den vergangenen drei Jahrzehnten notwendig gewesen sein mag. Zugleich werfen die medialen Umbrüche der vergangenen Jahre – insbesondere der Siegeszug der sozialen Medien mit all seinen ambivalenten Folgen – die drängende Frage auf, wie, in welchen Formen und in welchen medialen Settings eine solche Verständigung überhaupt noch gelingen kann. Wie kann man der Tendenz zur Bubble-isierung des öffentlichen Diskurs-Raumes entgegenwirken und tatsächlich breite gesellschaftliche Denk- und Verständigungsprozesse initiieren, in denen unterschiedliche Weisen, die Welt zu sehen, unterschiedliche Wertvorstellungen und Lebensformen produktiv miteinander ins Gespräch gebracht werden? Wie kann an den Grundlagen dafür gearbeitet werden, dass sich (mehr) Menschen nicht als passiv ausgeliefert, sondern als Akteur*innen von und in persönlichen und gesellschaftlichen Transformationsprozessen verstehen und erleben? Facettenreiche Formen des gemeinsamen Nachdenkens und Interagierens, die vor allem durch eine dialogisch konzipierte Praxis gegenseitiger Verständigung und Begegnung geprägt sind, sind gefragt.

Das Festival „Leipzig denkt: Alarm und Utopie“ wird in unterschiedlichen choreografischen Settings Räume für das gemeinsame öffentliche Miteinander-Denken und Miteinander-Sprechen über relevante Fragen kreieren und erproben. Dabei werden auf kreative Weise Elemente, Impulse und gesprächsöffnende Setting-Ideen aus den Künsten mit solchen aus der gesprächsorientierten und performativen Philosophie und den Geistes- und Sozialwissenschaften verknüpft. Der Festival-Untertitel Denk-Gesprächs-Kunst-Festival ist also als dezidiert integrativ zu lesen. Das Festival zielt auf ein ‚Gesamt(denk-gesprächs-)kunstwerk‘ auf das Erschaffen kreativer Denkatmosphären an den unterschiedlichsten öffentlichen Orten, um für mehrere Tage eine ganze Stadt ins Miteinander-Denken zu versetzen. Dazu werden durch das Festival auch die Orte des Denkens gemixt und verschoben: Elemente des Theaters und der Künste in die Universität geholt und umgekehrt geisteswissenschaftliches und philosophisches Denken ins Theater oder auf öffentliche Plätze.

Das Programm besteht aus partizipative Gesprächsperformances, Performativen Installationen, Literarischen Denkgesprächen, einem philosophischen Denkspaziergang, dem Projekt „Streetphilosophy“ auf dem Kurt-Masur-Platz, einem Club der toten Philosoph*innen, Philosophischen Gesprächs-Salons. Impulsvorträge mit performativen Podiums- und Publikumsdiskussionen, Künstlerischen Performances, Philosophische und künstlerische Workshops, eine Lange Nacht der Utopien mit unterschiedlichen Formaten wie einem Utopie-Slam und einem Utopie-Debating. Zudem gibt es thematische Abend- und Ganztagesveranstaltungen mit jeweils wechselnden Formaten und Settings – u.a. zu „Gender-Leib-Streit“ und zum Thema „Selbsttransformationen?“.

Aufgrund des interdisziplinären Charakters des Festivals kommen auch die Festival-Akteur*innen aus den unterschiedlichsten Disziplinen: aus den Künsten und ihren verschiedenen Sparten – Literatur/Theater/Performance/bildende Kunst/Musik – (u.a. Ingo Schulze) ebenso wie aus den Geistes- und Sozialwissenschaften (u.a. Hartmut Rosa) sowie der Philosophie (u.a. Rahel Jaeggi, Svenja Flaßpöhler) bzw. aus der philosophischen Praxis. Zum dritten versammelt das Festival Akteur*innen der Künstlerischen Forschung und Performativen Philosophie, die schon seit Jahren genau an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaften und Philosophie forschen und experimentieren und dabei auch innovative künstlerische Denkgesprächsformate entwickeln (u.a. das Institut für Performance Studies/Theater der Versammlung Bremen).

Kooperationspartner des Festivals sind u.a. LOFFT – Das Theater, die Schaubühne Lindenfels, das Literaturhaus Leipzig, das Budde-Haus Leipzig, die Moritzbastei Leipzig, die Universität Leipzig, der Debattierklub Leipzig, das Referat Wissenspolitik der Stadt Leipzig, die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, das Zeitgeschichtliche Forum…

Zur Vorbereitung interdiszplinärer Gesprächsformate für das Festival fand im November 2021 ein Workshop mit dem Titel "Gemeinsam ins Denken kommen?!" statt.